Kommentar

Lokaler Handel im Wandel

24. Januar 2019, René Götz

Ich liebe kleine und inhabergeführte Geschäfte. Ich schätze das individuelle Angebot und mag den persönlichen Charme. In vielen Nachbarschaften habe ich natürlich meine ganz eigenen Viertelfavoriten (www.viertelfavoriten.de). 

Seit knapp 20 Jahren begleite ich inhabergeführte Geschäfte und stehe beratend zur Seite. Durch das Internet ist der lokale Einzelhandel stark unter Druck geraten. Die Konkurrenz ist durch das Online-Angebot massiv gewachsen. Die gesellschaftlichen Veränderungen in Richtung Einkaufszentren und Online-Shopping wurden in den Jahren sichtbarer denn je. 

„Geiz ist geil“ scheint zu dominieren. Doch auch das ist nur ein Trend.

Als positiv denkender Mensch habe ich Veränderungen immer als Chance begriffen und den Läden auch so erklärt. Tut euch zusammen, redet miteinander, macht Gemeinschaftsaktionen und zeigt, dass ihr verlockend seid. Macht Lust auf das Shoppen in Eurem Laden. Lockt mit einem ganz speziellen Angebot – bitte keine Rabatte – sondern mit etwas Einzigartigem. Schafft etwas, dass es nur bei Euch gibt. Präsentiert Euch modern, interessant und ansprechend. Weckt die Neugierde eurer Besucher. Bietet eine Alternative zum Preiskampf. Macht es schlau und macht es hübsch.

Die Regeln des Einzelhandels war schon immer die Versuchung – das Verlockende – der Spaß an der Freude.

In den letzten Jahren wurde das leider von so einigen Laden-Inhaber/innen verlernt. Es häuften sich die negativen Schlagzeilen. Der Angriff auf den Kunden durch die mediale Darstellung kippte Richtung schlechter Gefühle. Die öffentliche Diskussion war teilweise nicht förderlich. „Die armen Läden im Viertel, das böse Internet und die doofen großen Konzerne.“ Viele waren schuld, nur nicht der lokale Handel selbst.

Der Kunde bekam das Gefühl aus Mitleid oder Verpflichtung lokal kaufen zu müssen. 

Nicht aus Spaß, Freude oder echter Überzeugung.

Egal ob im großen Kaufhaus oder im Viertel-Laden, so manches Geschäft wirkte wie eine Zeitmaschine. Nur leider nicht auf eine gute Art und Weise. Tür auf und schnell weht einem der alte 90er-Jahre-Retro-Staub entgegen. Der klassische „Bedien“-Fehler in der Ansprache ob „man helfen kann“, tut da sein übriges. Jüngere Generationen suchen da natürlich schnell das Weite. 

Auch bei so manchem meiner Beratungsgespräche von Ladenkollektiven wollte man die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Über Wochen schmiedete man oftmals große Pläne und war sich einig mit großen Programm und Tamtam um den Kunden neu ins Viertel zu locken. Es waren kreative und besondere Ideen, die man verwirklichen wollte. Es wurde viel geredet und getüftelt. Aber … lange Rede, kurzer Sinn … wenig umgesetzt. Mein Motto: „Taten statt Warten“ oder „Klasse statt Masse“ wurde oftmals nicht gehört. Und schnell ging es wieder zurück zur einfacheren Lösung: Böses Internet. Böse Veränderungen.

Doch eigentlich ist Wandel etwas Gutes, Spannendes und auch sehr Schönes.

Sehr viele lokale Geschäfte machen es richtig. Sie nützen die neuen Chancen. Sie sind für den Kunden da – in echt, live und in Farbe. Und natürlich auch online. Sie bieten den Kunden eine informative und stimmungsvolle Internetseite an, vielleicht sogar mit Online-Shop. Ein Schaufenster in der digitalen Welt. Sie nützen die sozialen Medien und bleiben frisch und direkt am Kunden. 

Gute Werbung und Marketing war nie so günstig, effektiv und einfach wie heute!

Eine gute Internet-Präsenz und ansprechendes Social-Media eröffnen komplett neue Kundenkreise. In der ganzen Stadt und wenn man gut ist, im ganzen Land. Der Mensch wird auf der einen Seite zwar immer bequemer, ist aber auch immer mobiler und öfter unterwegs.

Der Stil vieler neuer Läden ist zeitgemäss und verwandelt sich kontinuierlich. Kein Stillstand – wie im echten Leben. Statt immer die gleichen Produkte zu führen, erneuern Sie ihr Sortiment mit besonderen „Will-haben“-Lieblingsstücken. Ich meine dabei nicht den Concept-Store – also ein Laden mit vielen unterschiedlichen Produktgruppen – eher denke und empfehle ich eine gesunde Tiefe des Sortiments. Die kleine und feine Alternative, die es dann auch wieder individuell und speziell macht. 

„Special-Interest“ ist eines der Schlagworte.

Dauerhaft online durch freigestellte Bilder ohne wirkliche Emotionen zu klicken, um es dann irgendwann noch von der Post abholen zu müssen, ist auch irgendwie ziemlich anstrengend und langweilig. 

Der Funke springt doch eigentlich erst beim „in echt“ Ankucken, Anfassen und live Ausprobieren über. Dieses Gefühl hat und wird sich nicht ändern. Das ist der grösste Vorteil des lokalen Handels.

Abschliessend sei noch gesagt:

Gute Läden behält man im Herzen. 

Somit liebe Kunden: Geht mal wieder auf Entdeckungsreise nach Läden in Eurem Viertel oder Euren Stadt.  

Und liebe Läden: Macht Euch sichtbar und macht 2019 zum Jahr der kleinen Läden. Zum Beispiel über meine neuen Viertelfavoriten auf www.viertelfavoriten.de.

Viel Spass mit der lokalen Liebe : )

Schreibt mir gerne Eure Vision an hallo@rene-goetz.de

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