Fahrrad + lokales Gewerbe = Zukunft

Fahrrad + Lokales Gewerbe = Zukunft

8. März 2020, René Götz

Wie ihr alle wisst, liegt mir die lokale Ladenkultur sehr am Herzen. Und auch mein täglicher Begleiter – mein Fahrrad – steht für die Liebe zur umweltfreundlichen Mobilität in der Millionenstadt München. Was mich derzeit aber wirklich fuchst, ist die wahlkampftösende Ausspieleritis von Fahrrad gegen Gewerbe.

Bei der aktuellen Berichterstattung – zum Beispiel der Süddeutschen Zeitung (Link unten) – glaubt so mancher Politiker doch tätsächlich, dass jeder neue Radweg dem kleinen Gewerbe schadet. In dem Bericht der Süddeutschen wird sogar von einem „Anschlag“ geredet. Welch große und harte Worte in einer eindimensionalen Debatte.

Ich möchte gerne den entsprechenden Politikern einpaar Gedanken „an die Hand geben“, was wirklich kleinen Läden und Gewerben schadet. Hier ein paar Beispiele:

· unglaubliche hohe Steuern (zum Beispiel Gewerbesteuer mit Hebesatz von 490%)
· Steuer-Vorauszahlungen, obwohl man noch garnicht weiß, wie das Jahr wird
· sehr hohe Laden- oder Werkstatt-Mieten
· die fehlende Existenzgründer-Kultur in München ohne Investoren
· großer Bürokratie-Aufwand für diverse Kleinigkeiten
· ein uraltes Ladenschlußgesetz, das es kleinen Laden nicht ermöglicht, z.B. bis 22 Uhr an speziellen Tagen zu öffnen

Tschüss Flexibilität, Tschau Freiheit.

Jeder kleine Unternehmer muss von Beginn an sehr hart arbeiten. Egal ob Ladeninhaber*in, Handwerksbetrieb oder Kreative*r. Die angebliche große und auch mitregierende Wirtschaftspartei hat in der Stadt, im Land, im Bund und in Europa in den letzten Jahren nichts – oder sagen wir sehr wenig – bewegt. Zumindest nicht für die Kleinen.

Oder warum wird zum Beispiel für Facebook-Werbung in München keine Umsatzsteuer fällig?

Für ein kleines Münchner Magazin ist es aber Pflicht. Ist das ein fairer und lokaler Werbemarkt in München?

Natürlich spricht man im Wahlkampf gerne von Hashtag #kreativität #innovation #ideen und so weiter. Aber diese Ideen für die inhabergeführten Läden und / mit / durch eine umweltfreundliche Mobilitätswende fehlen komplett. Es sind Luftblasen-Hashtags, die kurz nach dem Verlassen des Hirns zerplatzen.

Oder welche konkreten Ideen, Vorteile und Konzepte bietet man für kleine Einzelunternehmen seitens der Politik?

Als kreativer und optimistisch denkender Mensch erlebe ich wöchentlich mit meinem Projekt der Hofflohmärkte, Hofgesellschaften oder Viertelfavoriten, wie schwer es kleinen Unternehmen gemacht wird. Es ist sehr mühselig, Projekte mit kreativer, sozialer und nachhaltiger Art in München zu realisieren. Denn so mancher Bezirksausschuss (z.B. die CSU Haidhausen) schiesst dagegen und unterstützt nicht aktiv ein Projekt für Nachbarschaft und Nachhaltigkeit.

Um auf das Thema Rad und Laden zurück zukommen.

Auch ein Fahrradfahrer*in ist ein Kunde*in für die kleinen Läden oder die kleinen Gewerbebetriebe.

Bei vielen jungen Generationen zählt das Radl zu einer positiven Bereicherung im täglichen Leben.

Für ältere Generationen ist ein smarter ÖPNV wichtig und richtig.

Doch so gerne man den ÖPNV nutzen möchte, so enttäuscht auch hier die aktuelle Rathaus-Koalition auf ganzer Linie. Sechs Jahre hatte man als Schwarz-Rote-Kooperation Zeit, den ÖPNV stark zu erweitern. Stattdessen streitet man seit Jahren über Tram-Westtangente und Tram-Nordtangente. Ein funktionierendes, umfangreiches und schnell machbares Express-Busnetz hat man nicht realisiert. Denn bei der Tram gefällt es nicht, dass Sie den Autofahrern Fahrspuren wegnimmt und bei den Expressbussen oder Bussen gefällt es nicht, wenn Parkplätze durch Busspuren wegfallen.

Also laut der CSU ist die Tram doof, der Bus doof und das Radl sowieso.

Was ist also die konkrete Lösung der Autopartei?

Ironie an. Bestimmt wird ganz bald etwas erfunden, dass diese ganzen Probleme der Mobilität in München (und anderen Millionenstädten) löst. Flugtaxis und so – oder Radwege oberhalb der Lindwurmstraße – dreidimensional Denken. Oder schön brav mit einer Pseudo-PKW-Maut Steuergelder versemmeln – Danke an das Verkehrsministerium. Ironie aus.

Als Millionenstadt mit einem Autohersteller wäre eine echte Innovation zum Beispiel ein kleines und preiswertes Elektro-Auto (unterhalb des Mini), statt der großen SUVs. Bei viel mehr kleinen Autos in der Stadt, wäre die Debatte bestimmt nicht so leidenschaftlich wie jetzt. Die überdimensionierte Größe der Autos ist absolut inakzeptabel.

Oder wir denken um und teilen die Autos mit mehreren Fahrgästen statt nur einer Person in einem großem Auto. Das nennt man Carsharing oder Fahrgemeinschaften.

Abschliessend sei gesagt, dass die Straße, der Radweg und der Gehweg öffentlicher Grund sind. Dieser muss fair und neu verteilt werden. Und nichts anderes wird jetzt von vielen Stadträten in München befürwortet. Endlich.

Für mich persönlich sind somit die Grünen mit sympathischen und dynamischen Spitzenpersonal und sinnvollen Konzepten auf dem richtigen Weg. Nach jahrelangen großen Koalitionen wird es Zeit für Veränderungen.

Ich freue mich somit auf jeden Tag mit meinem Rad an der frischen Luft zu sein und geniesse es, damit auch nach Haidhausen oder Neuhausen zu fahren. Genau um dort bei wunderbaren Viertelfavoriten ein Kaffee zu trinken oder individuelle Geschenke zu finden.

Und gemeinschaftlich wird beides – kleine Läden und das Radl – noch lange miteinander die Millionenstadt begeistern und bestimmt nach vorne bringen.

Hier noch der Bericht aus der Süddeutschen Zeitung „Ein Streit über Rad und Tat“:

www.sueddeutsche.de/muenchen/muenchen-verkehr-radfahren-stadtrat-verkehrswende-1.4831865

Schreibt mir gerne Eure Vision an hallo@rene-goetz.de